Deine Wesermarsch | Magazin
2026
© Patrick Ahlers

Von der Bierbank auf die Bühne

Aus einer spontanen Vatertags-Idee wird in Brake ein Männerchor

Stell dir vor: Du bist mit ein paar Kumpels am Vatertag unterwegs, es wird gesungen, gelacht – und plötzlich kommt die verrückte Idee: „Warum nicht einfach einen eigenen Chor gründen?“ Genauso ist es Patrick Ahlers und Alexander Ennen 2024 beim „Vadditach“ passiert. Wir haben mit Patrick, Mitgründer der Harrier Hafensänger, gesprochen, um herauszufinden, wie aus dieser spontanen Idee ein voller Männerchor wurde.„Wir hätten nie gedacht, dass das Ding so durch die Decke geht“, erzählen die Gründer. „Anfangs dachten wir: ‚Komm, treffen wir uns mit ein paar Jungs im Harrier Hof, bisschen singen, bisschen Spaß haben.‘ Der Raum war für maximal 12 Leute geplant. Tja – das war wohl leicht untertrieben. Heute sind wir einfach nur geflasht, wie viel Liebe die Harrier Hafensänger bekommen – von innen wie von außen. Vielleicht hat genau so was hier gefehlt: ehrliche Musik, Spaß an der Sache und null Profi-Allüren.“ Mit 68 Mitgliedern sind die Hafensänger so voll, dass sie sogar einen Aufnahmestopp verhängt haben.

Kein Chor wie jeder andere

Viele klassische Männerchöre kämpfen ums Überleben – zu wenige Sänger, zu wenig Nachwuchs. Bei den Hafensängern läuft’s anders: Notenkenntnisse oder jahrelange Gesangserfahrung? Braucht keiner. Jeder darf mitmachen – egal ob die Stimme wie Samt klingt oder eher nach „Duschkonzert“. Die Devise: Hauptsache, du hast Bock!

Spotify statt staubiger Notenmappen

Die Truppe probt nicht mit alten Liedblättern, sondern mit Beamer und Spotify-Playlist. Jeder darf Songs vorschlagen. So landen neben Hans Albers und Santiano auch mal Backstreet-Boys-Hits auf der Liste. Zweistimmig wird trotzdem gesungen – und erstaunlich schnell klingt das Ganze nach richtigem Chor statt Kneipenkaraoke. „Schwierige Frage, welches Lied uns aktuell am meisten Spaß macht“, gestehen die Gründer. „Aber gerade sind’s zwei Nummern, die richtig Laune machen: unser ‚Deutschrap-Medley‘ und natürlich unser erster eigener Song ‚Harrier Hafensänger‘. Beide bringen mega Stimmung – auf und vor der Bühne.“

Mehr als nur Musik

Klar, es geht ums Singen – aber mindestens genauso um Gemeinschaft. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis fast 70. Viele kannten sich vorher gar nicht, jetzt verbindet sie die Lust am gemeinsamen Auftritt. Auch organisatorisch hat die Truppe einen Turbo eingelegt: Vor Kurzem wurde offiziell ein Verein gegründet, damit Auftritte, Mitgliedsbeiträge und alles Drumherum geregelt laufen.

Die große Bühne kann warten

Schon nach den ersten Social-Media-Posts kam die erste Konzertanfrage – von der „Sail“ in Bremerhaven. Doch die Hafensänger wollten erst einmal klein starten. Die Premiere gibt’s im Winter in Brake, inklusive Konzert im Central-Theater. Bis dahin wird fleißig geprobt.

Auf die Frage, was sie anderen raten, die ein ähnliches Projekt starten wollen, antworten Alex und Patrick: „Setzt euch zusammen, schmeißt ein paar Ideen in den Raum – am besten bei ’nem kalten Bier – und guckt, was passiert. Keine Idee ist zu bekloppt, um sie auszuprobieren. Wenn ihr ein paar Leute habt, die richtig Bock haben und Zeit investieren, läuft das. Machen ist echt der Schlüssel.“

Und die Zukunft? Sind die Harrier Hafensänger in fünf Jahren noch eine „Schnapsidee“ oder schon Kultchor?

„Naja, irgendwo dazwischen wahrscheinlich. Wir sind heiß auf die Bühne, aber wir feiern’s auch, einfach nur gemeinsam Zeit zu verbringen und zu singen. Wenn wir in fünf Jahren immer noch mit derselben Energie unterwegs sind, die Leute begeistern und dabei was Gutes tun – dann ist das genau der Spirit, mit dem alles angefangen hat. Kultstatus? Mal sehen. Aber Spaß haben wir so oder so.“


Von Isabel Blok