Was war Ihr persönlicher Höhepunkt in diesem Jahr? Gab es ein besonderes Ereignis, das Sie in diesem Jahr besonders glücklich oder stolz gemacht hat?
Es gab tatsächlich mehrere Höhepunkte: Dass wir beispielsweise massive wirtschaftliche Schäden und weiter gehende Nachteile der Menschen im ÖPNV von der Wesermarsch durch schnelle Reparaturen der zwei Mal nacheinander beschädigten Bahnbrücke in Elsfleth abwenden konnten. Dies ist nur einem Alle-Mann-Manöver zu verdanken. Ein Highlight ist natürlich auch die Wahl des Langwarder Grodens zum Naturwunder 2024. Dieser Wettlauf in der Abstimmung hat den Zusammenhalt in der Wesermarsch besonders deutlich gemacht!
Gibt es ein Projekt oder ein Vorhaben, das Sie dieses Jahr besonders bewegt oder stolz gemacht hat? Welche Projekte haben Sie in Ihrer Rolle als Landrat verfolgt und welches lag Ihnen besonders am Herzen?
Ganz Deutschland spricht über Rezession und wirtschaftlichen Abschwung. In der Wesermarsch gibt es dagegen andere Zeichen. Die Lürssen-Werft bzw. NVL investiert massiv in den Standort und schafft Arbeitsplätze. Ähnlich sieht es in Nordenham aus. Mit der Übernahme der Anteile von der Stadt Nordenham am Innovationszentrum für Nachhaltigkeit und Produktionstechnologie folgen wir nicht nur einer Entwicklung, wir setzen auch ein starkes Zeichen für wirtschaftliche Chancen, die sich in der Wesermarsch ergeben. Und besonders stolz bin ich auf die Entwicklung des Regionalen Versorgungszentrums in Nordenham, an dem der Landkreis beteiligt ist. Dort haben wir mit einer Hausarztpraxis einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung geleistet.
Welcher Moment hat Ihnen dieses Jahr ein besonders starkes Gemeinschaftsgefühl gegeben?
Gibt es ein Erlebnis, bei dem Sie die Solidarität oder den Zusammenhalt in der Wesermarsch gespürt haben?
Ein starkes Gemeinschaftsgefühl habe ich gleich zu Jahresbeginn erlebt, als unsere Feuerwehren, das THW, die anderen Hilfsorganisationen sowie die Deichbände mit Ihren Küstenwehren in Windeseile andere Landkreise im Kampf gegen Hochwasser und Überschwemmungen unterstützt haben. Da hat sich wieder einmal gezeigt, was Solidarität ausmacht. Eine ähnliche Zusammengehörigkeit erlebe ich immer bei Laufveranstaltungen in der Wesermarsch, an denen ich gern teilnehme. Aber natürlich hat die Nominierung des Langwarder Grodens durch die renommierte Heinz Sielmann Stiftung zum Naturwunder 2024 auch richtig Spaß gemacht und die Menschen mobilisiert.
Wie erleben Sie den Rückhalt der Menschen in der Wesermarsch? Gibt es besondere Begegnungen oder Gesten der Bürger, die Sie in Ihrem Amt bestärken?
Ein wichtiger Gradmesser sind die Bürgersprechstunden, die ich monatlich anbiete. Direkt nach den Sommerferien bin ich auch zwei Wochen lang in der Wesermarsch unterwegs, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dieser Austausch ist für mich sehr wertvoll, weil ich dort Feedback bekomme, das mich in dieser Weise im Arbeitsalltag häufig nicht erreicht.
Was hat Sie in Ihrer Rolle als Landrat dieses Jahr besonders herausgefordert oder gefordert? Gab es eine Entscheidung oder Situation, die besonders schwierig oder anspruchsvoll war?
Menschen lieben stabile Verhältnisse und Sicherheit. Was wir allerdings erleben, ist massive Veränderung. Wir versuchen in der Verwaltung starre Arbeitszeitregelungen an die Lebensrealität anzupassen, um dem Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und gleichzeitig den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden. Die Modernisierung einer Verwaltung kostet Kraft, zahlt sich aber aus. Dann bewegen wir uns natürlich im Spannungsfeld zwischen Verwaltungshandeln und politischen Wünschen und Aufträgen. Wie alle Landkreise, leidet auch die Wesermarsch unter immer höheren Ausgaben für Aufgaben, die von der Bundespolitik und die Länder auf die Kommunen abgewälzt werden. Die kommenden Jahre werden mit Blick auf die Kassenlage anstrengend. Weiterhin haben wir natürlich auch immer mehr mit dem Fachkräftemangel zu tun. Die Prognosen in diesem Bereich sehen auch in Bezug auf die öffentliche Verwaltung nicht gut aus, wobei wir alles tun, um als Arbeitgeber möglichst attraktiv zu sein.
Was tun Sie persönlich, um zur Jahreszeit zur Ruhe zu kommen und Kraft für das neue Jahr zu schöpfen? Haben Sie besondere Rituale oder Traditionen zum Jahresende?
Die Weihnachtszeit gehört voll und ganz meiner Familie. Und abschalten kann ich am besten beim Laufen.
Gibt es etwas, das Sie den Bürgerinnen und Bürgern aus diesem Jahr mitgeben möchten, sei es eine Ermutigung, Dank oder ein Wunsch? Eine Botschaft, die Ihnen besonders wichtig ist.
Bedanken möchte ich mich für die vielen Begegnungen und das mir entgegengebrachte Vertrauen. Wir sollten öfter den Blick auf die positiven Dinge im Leben richten, weg vom Weltgeschehen und mehr auf unseren Lebensmittelpunkt. Dann sehen wir, dass unser Slogan „wermarsch! echt. nordisch. gut.“ ins Schwarze trifft.