FREISPRECHUNGSFEIER
„Das Handwerk ist schon lange systemrelevant“
57 frischgebackene Gesellen gehören jetzt zum Kreis der gut ausgebildeten Fachkräfte
Heute sei für sie ein besonderer Tag, ein Tag des Abschlusses, aber auch Tag des Aufbruches und ein Tag, an dem sich neue Türen öffneten, gab Lars Otten jenen 57 jungen Frauen und Männern mit auf den Weg, die am Donnerstagabend in der Stadthalle „Friedeburg“ in Nordenham den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung im Handwerk feien konnten. Sie erhielten bei der traditionellen Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Wesermarsch ihren Gesellenbrief.
In seiner Festrede machte Lars Otten, Leiter der Berufsbildenden Schulen für die Wesermarsch, deutlich, dass das Handwerk von Können, Verantwortung und Innovationsfähigkeit lebe. Das erfordere Verlässlichkeit, Engagement und die Bereitschaft, sich immer wieder auf Neues einzulassen. Das Handwerk befinde sich im stetigen Wandel: Digitalisierung, Nachhaltigkeit, neue Technologien und entsprechend angepasste Kundenanforderungen veränderten die Arbeitsprozesse spürbar.
Ein weiterer Treiber des Wandels sei die Künstliche Intelligenz. KI werde aber weder das Handwerk noch die dort tätigen Menschen überflüssig machen, denn sie könne Erfahrung, Können und Verantwortung nicht ersetzen. Lars Otten appellierte an die frischgebackenen Gesellen, KI nicht zu fürchten, sondern als ein Werkzeug zu nutzen, um den Arbeitsalltag spürbar effizienter zu machen.
Das Handwerk sei systemrelevant, und das schon lange bevor das Wort modern wurde, betonte Landrat Stephan Siefken in einem Grußwort. „Wenn das Dach undicht, der Strom weg, die Heizung kalt ist oder das Auto nicht mehr anspringt, dann hilft kein Update und keine App. Dann braucht man Menschen, die wissen, was sie tun und die es auch können“, so Siefken. In der Wesermarsch sei das Handwerk ein unverzichtbarer Dienstleister und einer der wichtigsten Arbeitgeber.
Die Wesermarsch brauche Menschen wie die neuen Gesellinnen und Gesellen. Gut ausgebildet, motiviert und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Menschen, die nicht lange reden, sondern machen. Das Handwerk habe auch weiterhin goldenen Boden. „Und oberdrein ist es im Leben von Vorteil, bodenständig zu bleiben“, brachte der Landratseine Hoffnung zum Ausdruck, dass die neuen Fachkräfte den Betrieben im Landkreis erhalten bleiben.
Urkunden für die Besten
In der vom Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Sven Jochims, moderierten Freisprechungsfeier gab es neben den Gesellenbriefen für gleich fünf neue Gesellinnen und Gesellen sowie deren Ausbildungsbetrieb eine zusätzliche Urkunde und Präsente. Die überreichte Jochims gemeinsam mit Kai Venzler, Geschäftsbereichsleiter der Handwerkskammer Oldenburg. Gleich mehrfach ausgezeichnet wurde Kfz- Mechatroniker Lennard Ott aus Nordenham (ausgebildet bei Gebr. Müller GmbH in Nordenham). Er war der Prüfungsbeste.
Aber auch Metallbauerin Fenja Becker aus Stadland (Heiko Hemme Stahl + Metallbau GmbH in Stadland), Anlagenmechanikerin Lina Marie Martin aus Lemwerder (ulpts Energie GmbH in Elsfleth), Elektroniker Pascal Rindfleisch aus Lemwerder (Petter GmbH in Berne) und Bootsbauer Mika Boss aus Krummwisch (Greenboats GmbH in Bremen) bestanden ihre Gesellenprüfung mit Auszeichnung.
Die Gesellenbriefe überreichten die Innungs-Obermeister Jens Krummacker (Sanitär und Heizung), Henning Sommer (Bauhandwerk), Hans Stützle (Bootsbauer), Jens Thormählen (Dachdecker), André Kuhlmann (Elektro) und Walter Tapken (Metall) sowie der stellvertretende Obermeister Stefan Gäting (Dachdecker) und Prüfungsausschuss-Vorsitzender Wolf Teggemann (Kfz-Handwerk) den erfolgreichen Absolventen.
In seiner Eigenschaft als stellvertretenden Kreishandwerksmeister konnte Jens Krummacker zu dem Festakt auch Landes- und Kommunalpolitiker sowie Vertreter aus Wirtschaft und der Ausbildungsbetriebe begrüßen. Gemeinsam mit ihren Eltern und Ausbildern feierten die frischgebackenen Gesellen bei einer Party mit DJ Bernd Bohlen das erfolgreiche Ende der Ausbildung.
Von Rolf Bultmann